Presse Thread
- Magic-Kappi
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Re: Presse Thread
Da hat die Zeitung BLÖD aber mit dem Bubi Björn Lindroos eine neue Journalisten-Perle aus dem Hut gezaubert
. Im GC-Inside setzt er doch Diaby in die mögliche Startaufstellung...
Beim Verkauf unseres Herzensvereins an das Konstruktgeschwür LAFC wurde eine klare Grenze überschritten. Ein solches Verhalten ist für uns inakzeptabel!
- triemli_sued
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Re: Presse Thread
https://www.tagesanzeiger.ch/grasshoppe ... 7612329335
Zürcher Talente bei GC
Ein Club ohne Gesicht? Falsch! Diese drei jungen Fussballer beweisen es
Samuel Marques, Tim Meyer und Simone Stroscio haben sich bei den Grasshoppers etabliert. Welche Hürden sie überwinden mussten, um im Profifussball anzukommen.
Wenn es bei den Grasshoppers um Identifikation geht, gibt es eine Hauptfigur: Amir Abrashi. Er trägt dieses Team, spricht zu Fans und tritt an Pressekonferenzen auf. Sonst? Ein Umschlagplatz für Spieler von überall her, ein Club ohne Gesicht, das heisst es oft.
Nun aber tut sich etwas. In der Youth Trophy der Swiss Football League, einer Rangliste, in der die Einsatzminuten der Schweizer Spieler mit Jahrgang 2004 oder jünger gewertet werden, liegt GC auf Rang 3, hinter St. Gallen und dem FC Zürich.
Das hat viel mit Samuel Marques und Tim Meyer zu tun, 20 und 21 Jahre jung. Dann gibt es noch Simone Stroscio, der mit Jahrgang 2003 zwar nichts mehr zur Rangliste beiträgt, aber auch aus dem GC-Nachwuchs stammt. Er und Marques sind Stammspieler, Meyer kämpfte sich zuletzt ebenfalls zurück in die Startformation, fehlt aber zurzeit verletzt.
Für das Trio war es allerdings nicht immer einfach. Meyer war fast nur im Abstiegskampf und muss sich nun unter dem vierten Trainer beweisen, Stroscio war eineinhalb Jahre ausgeliehen und kam letzte Saison auf nur vier Einsätze. Und Marques hatte seinen ersten Kreuzbandriss mit 16, der zweite folgte, als er 19 war.
Nun sitzen die drei jungen Fussballer in einem Raum im GC-Hauptsitz in der Altstadt und erzählen. Sie wirken entspannt, es läuft gerade ganz gut.
Samuel Marques – Hoch nach Verletzungspech
Er ist die grösste Entdeckung dieser GC-Mannschaft, neben Jonathan Asp Jensen, mit dem er vor zwei Wochen das Zürcher Derby entschied. Marques schoss das 2:0, sein erstes Tor auf Profiniveau. «Mittlerweile fange ich an, es zu realisieren», sagt er. «Als Kind habe ich davon geträumt, in der ersten Mannschaft zu spielen, dann noch ein Tor zu schiessen im Derby, ist umso schöner.»
Seit der U11 ist der Zürcher bei GC. Vor dem zweiten Kreuzbandriss war er dem Profikader nahe, sass hin und wieder auf der Ersatzbank. «Die Verletzung war extrem hart», sagt er nun. Er habe gesehen, wie anderen der Sprung in die erste Mannschaft gelang. «Es war frustrierend, nicht weil ich es ihnen nicht gegönnt hätte, aber weil es mich schon zum zweiten Mal traf.»
Auch wegen dieser Erfahrung sagt Stroscio: «Samuel hat eine schwere Geschichte hinter sich, dass er nun diesen Platz im Kader hat, ist auch für uns ein schönes Beispiel.» Seit dem vierten Spieltag steht Marques von Beginn an auf dem Platz, neben dem Derby-Tor kommt er auf drei Assists. Er habe nicht geglaubt, dass es so gut laufen würde in dieser Saison.
Mit Gerald Scheiblehner hat Marques einen Trainer, der konsequent auf die jungen Spieler setzt. Einen, der auch mal erlaubt, Fehler zu machen. Marques sagt: «Er unterstützt uns, er gibt uns Chancen, und das hilft uns.» Ihm im Speziellen, es ist ihm anzusehen.
Simone Stroscio – Geduld und Umschulung
Auch Stroscio schwärmt von Scheiblehner, von seinem Plan, Fussball zu spielen. Ging es zuletzt unter Marco Schällibaum und Tomas Oral oft darum, zu stabilisieren, hat Scheiblehners Team Lust auf Fussball und geht hoch ins Pressing. «Wir spielen gegen Bayern München genau gleich wie gegen Bellinzona», sagt Stroscio.
Der 22-Jährige, seit der U8 bei den Grasshoppers, musste lange auf seine Chance warten. Vor vier Jahren pendelte er zwischen U21 und Profikader. Im Mai 2022 kam er unter Giorgio Contini zu seinem Debüt, dann wurde er nach Schaffhausen verliehen. In der letzten Saison spielte er bei GC kaum.
«Ich habe einen Trainer, der auf mich setzt», sagt Stroscio nun auch. Er ist aber realistisch genug, um zu sagen: «Es werden wieder schwierige Zeiten kommen, ich hoffe es zwar nicht, aber in der Regel ist es so.» Er habe aber gerade in der Zeit, in der er nicht oft gespielt habe, am meisten gelernt. Marques nickt und ergänzt: «Man beginnt auch das, was man hat, zu schätzen.»
Bei Stroscio sieht das nun so aus: acht Spiele, acht Einsätze in der Startformation, unumstritten im 3-4-3-System Scheiblehners. Was die Position angeht, ist er so etwas wie das Gegenstück zu Marques, der auf dem rechten Flügel wirbelt, aber er spielt defensiver, ist eher einer, der über die Zweikämpfe ins Spiel kommt.
Er hat auch sichtlich an Muskeln zugelegt. «Und ich nicht?», fragt Meyer und lacht. Über Stroscio sagt er: «Er kann mit riesigen Schmerzen spielen, und man sieht ihm trotzdem nichts an.» Das bringe der Mannschaft viel Energie. Die beiden waren einst Konkurrenten im zentralen Mittelfeld, nun wurde Stroscio umgeschult. «So habe ich noch nie gespielt», sagt er, «es ist eigentlich alles neu für mich.»
Tim Meyer – nie hoch im Kurs
Hier hat Meyer seinen zwei Kollegen etwas voraus. Er kommt schon auf fast 60 Einsätze bei den Profis. Im Sommer 2023 gehörte er zu einer Gruppe von jungen Spielern, die Trainer Bruno Berner aufbieten musste, weil er zum Saisonstart kein ganzes Kader zusammenhatte. Meyer ist der Einzige von damals, der heute noch eine Rolle spielt.
«Bei mir war es nie so, dass ich beim Trainer gleich hoch im Kurs war», sagt Meyer, er habe sich den Platz im Kader immer erkämpfen müssen. Auch bei Scheiblehner war das so. Meyer spielte in den ersten drei Spielen gar nicht, dann kamen immer mehr Einsätze dazu, gegen Lausanne und den FCZ stand er in der Startformation.
Das Kämpferische entspricht seinem Spiel, er hat in dieser Hinsicht durchaus etwas von Abrashi. Stroscio sagt: «Er fällt nicht gross auf, aber wenn man ihn beobachtet, sieht man, dass er alles richtig macht.» Und Marques: «Die Zweikämpfe, die er gewinnt, sind extrem wichtig.»
Zu Abrashi pflegt Meyer eine besondere Beziehung. «Amir ist eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Person in meiner Karriere», sagt er. Die beiden leben in derselben Gegend, fahren nach dem Training oft zusammen nach Hause. Und sie haben eine Wette laufen: Wer zuerst ein Tor schiesst, wird vom anderen zum Abendessen eingeladen. Meyers Treffer im Cup gegen Bellinzona? Zähle nicht, habe Abrashi gesagt, es muss schon die Super League sein.
Zürcher Talente bei GC
Ein Club ohne Gesicht? Falsch! Diese drei jungen Fussballer beweisen es
Samuel Marques, Tim Meyer und Simone Stroscio haben sich bei den Grasshoppers etabliert. Welche Hürden sie überwinden mussten, um im Profifussball anzukommen.
Wenn es bei den Grasshoppers um Identifikation geht, gibt es eine Hauptfigur: Amir Abrashi. Er trägt dieses Team, spricht zu Fans und tritt an Pressekonferenzen auf. Sonst? Ein Umschlagplatz für Spieler von überall her, ein Club ohne Gesicht, das heisst es oft.
Nun aber tut sich etwas. In der Youth Trophy der Swiss Football League, einer Rangliste, in der die Einsatzminuten der Schweizer Spieler mit Jahrgang 2004 oder jünger gewertet werden, liegt GC auf Rang 3, hinter St. Gallen und dem FC Zürich.
Das hat viel mit Samuel Marques und Tim Meyer zu tun, 20 und 21 Jahre jung. Dann gibt es noch Simone Stroscio, der mit Jahrgang 2003 zwar nichts mehr zur Rangliste beiträgt, aber auch aus dem GC-Nachwuchs stammt. Er und Marques sind Stammspieler, Meyer kämpfte sich zuletzt ebenfalls zurück in die Startformation, fehlt aber zurzeit verletzt.
Für das Trio war es allerdings nicht immer einfach. Meyer war fast nur im Abstiegskampf und muss sich nun unter dem vierten Trainer beweisen, Stroscio war eineinhalb Jahre ausgeliehen und kam letzte Saison auf nur vier Einsätze. Und Marques hatte seinen ersten Kreuzbandriss mit 16, der zweite folgte, als er 19 war.
Nun sitzen die drei jungen Fussballer in einem Raum im GC-Hauptsitz in der Altstadt und erzählen. Sie wirken entspannt, es läuft gerade ganz gut.
Samuel Marques – Hoch nach Verletzungspech
Er ist die grösste Entdeckung dieser GC-Mannschaft, neben Jonathan Asp Jensen, mit dem er vor zwei Wochen das Zürcher Derby entschied. Marques schoss das 2:0, sein erstes Tor auf Profiniveau. «Mittlerweile fange ich an, es zu realisieren», sagt er. «Als Kind habe ich davon geträumt, in der ersten Mannschaft zu spielen, dann noch ein Tor zu schiessen im Derby, ist umso schöner.»
Seit der U11 ist der Zürcher bei GC. Vor dem zweiten Kreuzbandriss war er dem Profikader nahe, sass hin und wieder auf der Ersatzbank. «Die Verletzung war extrem hart», sagt er nun. Er habe gesehen, wie anderen der Sprung in die erste Mannschaft gelang. «Es war frustrierend, nicht weil ich es ihnen nicht gegönnt hätte, aber weil es mich schon zum zweiten Mal traf.»
Auch wegen dieser Erfahrung sagt Stroscio: «Samuel hat eine schwere Geschichte hinter sich, dass er nun diesen Platz im Kader hat, ist auch für uns ein schönes Beispiel.» Seit dem vierten Spieltag steht Marques von Beginn an auf dem Platz, neben dem Derby-Tor kommt er auf drei Assists. Er habe nicht geglaubt, dass es so gut laufen würde in dieser Saison.
Mit Gerald Scheiblehner hat Marques einen Trainer, der konsequent auf die jungen Spieler setzt. Einen, der auch mal erlaubt, Fehler zu machen. Marques sagt: «Er unterstützt uns, er gibt uns Chancen, und das hilft uns.» Ihm im Speziellen, es ist ihm anzusehen.
Simone Stroscio – Geduld und Umschulung
Auch Stroscio schwärmt von Scheiblehner, von seinem Plan, Fussball zu spielen. Ging es zuletzt unter Marco Schällibaum und Tomas Oral oft darum, zu stabilisieren, hat Scheiblehners Team Lust auf Fussball und geht hoch ins Pressing. «Wir spielen gegen Bayern München genau gleich wie gegen Bellinzona», sagt Stroscio.
Der 22-Jährige, seit der U8 bei den Grasshoppers, musste lange auf seine Chance warten. Vor vier Jahren pendelte er zwischen U21 und Profikader. Im Mai 2022 kam er unter Giorgio Contini zu seinem Debüt, dann wurde er nach Schaffhausen verliehen. In der letzten Saison spielte er bei GC kaum.
«Ich habe einen Trainer, der auf mich setzt», sagt Stroscio nun auch. Er ist aber realistisch genug, um zu sagen: «Es werden wieder schwierige Zeiten kommen, ich hoffe es zwar nicht, aber in der Regel ist es so.» Er habe aber gerade in der Zeit, in der er nicht oft gespielt habe, am meisten gelernt. Marques nickt und ergänzt: «Man beginnt auch das, was man hat, zu schätzen.»
Bei Stroscio sieht das nun so aus: acht Spiele, acht Einsätze in der Startformation, unumstritten im 3-4-3-System Scheiblehners. Was die Position angeht, ist er so etwas wie das Gegenstück zu Marques, der auf dem rechten Flügel wirbelt, aber er spielt defensiver, ist eher einer, der über die Zweikämpfe ins Spiel kommt.
Er hat auch sichtlich an Muskeln zugelegt. «Und ich nicht?», fragt Meyer und lacht. Über Stroscio sagt er: «Er kann mit riesigen Schmerzen spielen, und man sieht ihm trotzdem nichts an.» Das bringe der Mannschaft viel Energie. Die beiden waren einst Konkurrenten im zentralen Mittelfeld, nun wurde Stroscio umgeschult. «So habe ich noch nie gespielt», sagt er, «es ist eigentlich alles neu für mich.»
Tim Meyer – nie hoch im Kurs
Hier hat Meyer seinen zwei Kollegen etwas voraus. Er kommt schon auf fast 60 Einsätze bei den Profis. Im Sommer 2023 gehörte er zu einer Gruppe von jungen Spielern, die Trainer Bruno Berner aufbieten musste, weil er zum Saisonstart kein ganzes Kader zusammenhatte. Meyer ist der Einzige von damals, der heute noch eine Rolle spielt.
«Bei mir war es nie so, dass ich beim Trainer gleich hoch im Kurs war», sagt Meyer, er habe sich den Platz im Kader immer erkämpfen müssen. Auch bei Scheiblehner war das so. Meyer spielte in den ersten drei Spielen gar nicht, dann kamen immer mehr Einsätze dazu, gegen Lausanne und den FCZ stand er in der Startformation.
Das Kämpferische entspricht seinem Spiel, er hat in dieser Hinsicht durchaus etwas von Abrashi. Stroscio sagt: «Er fällt nicht gross auf, aber wenn man ihn beobachtet, sieht man, dass er alles richtig macht.» Und Marques: «Die Zweikämpfe, die er gewinnt, sind extrem wichtig.»
Zu Abrashi pflegt Meyer eine besondere Beziehung. «Amir ist eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Person in meiner Karriere», sagt er. Die beiden leben in derselben Gegend, fahren nach dem Training oft zusammen nach Hause. Und sie haben eine Wette laufen: Wer zuerst ein Tor schiesst, wird vom anderen zum Abendessen eingeladen. Meyers Treffer im Cup gegen Bellinzona? Zähle nicht, habe Abrashi gesagt, es muss schon die Super League sein.
Re: Presse Thread
GC-Trainer Gerald Scheiblehner
«Ich bin hier im unbezahlten Urlaub»
Der Österreicher erzählt, wie seine Nacht nach dem Derbysieg über den FC Zürich war, warum er in Österreich noch eine Anstellung hat – und weswegen die Arbeitstage für GC-Spieler länger geworden sind.
Gerald Scheiblehner, haben Sie den Schock schon überwunden
Gerald Scheiblehner: Welchen? Es gab mehrere.
Ich hätte jetzt mit dem Preisschock im Restaurant angefangen. Sie haben zum Trainingsauftakt gesagt, Sie würden nur noch Käse und Brot im Hotelzimmer essen.
Ach! Ja, dieser Schock ist überwunden. Inzwischen liegt sogar ein Stück Wurst im Kühlschrank (lacht). Schliesslich habe ich jetzt eine eigene Wohnung.
Welche anderen Schocks haben Sie denn noch so erlebt seit Ihrem Wechsel zu den Grasshoppers?
Kein direkter Schock, aber es war sehr, sehr wenig Zeit, in so ein neues Team eine Struktur zu bringen. Das war schon heftig. Wir haben dann viele Trainingseinheiten absolviert, was für mich eigentlich unüblich ist. Aber wenn ich nicht zwei Einheiten am Tag eingeplant hätte, hätte ich all die neuen Menschen nicht schnell genug kennengelernt.
Wo stehen Sie denn mit Ihrer Mannschaft im Moment? Ihre Handschrift ist sichtbar, aber noch scheint nicht alles zu passen.
Das wird Gott sei Dank noch ein wenig dauern. Sonst wäre die Arbeit ja schon zu Ende. Aber gegen den FC Zürich hat man schon über fast das gesamte Spiel das Bild gesehen, das wir uns vorstellen. Ich habe spasseshalber gesagt, dass es jetzt nicht mehr so schwierig ist, gute Szenen für die Videoanalyse zu finden. Da haben wir zu Beginn wirklich suchen müssen.
Ein Sieg hilft sicher auch, damit die Spieler weiterhin all die Kilometer abspulen, die Ihr intensives Spiel verlangt.
Wenn du so viel Aufwand betreibst, musst du dich auch belohnen. Sonst kann es in die andere Richtung gehen. Du brauchst überzeugte Leute. Und um Überzeugung zu schaffen, brauchst du Siege. Ich selbst habe mir keine Sorgen gemacht, weil ich weiss, dass unser Spiel schlussendlich erfolgreich sein wird. Die Frage ist nur: Wie viel Geduld hat die Mannschaft, und wie viel Geduld hat der Verein? Das Derby war darum der perfekte Zeitpunkt für unseren bereits zweiten Sieg! Eigentlich hat uns das ja niemand zugetraut, dass wir so schnell für ein grosses Spiel vor so einer Kulisse bereit sein werden.
Ihnen eilt aus Österreich aber der Ruf voraus, dass Sie einem Team extrem schnell Ihre Idee vermitteln können.
Mir macht es einfach Spass, mit einem Team zu arbeiten. Da gehören ja nicht nur die Spieler dazu, sondern auch das Trainerteam und der Staff mit Physios und so weiter. Das heisst: Es geht um Führungsarbeit. Dieses Thema war für mich schon immer spannend. Du musst dich ständig selbst reflektieren, es tun sich so viele verschiedene Themen auf. Aber am Ende geht es immer darum, dass man wertschätzend miteinander umgeht und dass klar ist, wer Chef ist.
Sie waren als Trainer lange im Amateurbereich tätig. Hilft Ihnen heute eine Erfahrung, die Sie dort gemacht haben?
Seit ich Profitrainer bin, geniesse ich es einfach. Ich darf mich jetzt den ganzen Tag mit Fussball beschäftigen nicht bloss abends nach 40 Stunden Arbeit in der Woche. Der Wechsel zum Profitrainer kam mir vor wie Urlaub. Zu Beginn konnte ich die Profitrainer nicht verstehen, die immer von zu viel Arbeit geredet haben.
Trainer klagen doch immer, ihr Tag müsse 48 Stunden haben.
Natürlich kann man sich, übertrieben gesagt, 24 Stunden mit Fussball beschäftigen. Aber irgendwann einmal ist ein Thema auch zerredet. Es wird nicht besser, wenn man sich zehnmal über denselben Gegner Gedanken macht. Man muss schauen, dass man auch genügend Energie hat. Und Energie tanken heisst für mich, nicht immer nur über dasselbe Thema zu sprechen. Es gibt ja zum Glück noch andere Dinge, die interessant sind auf dieser Welt.
Sie haben lange in der Gesundheitsförderung gearbeitet. Stimmt es, dass Sie ihre letzten zwanzig Prozent Anstellung erst aufgegeben haben, als Sie nach Zürich kamen?
Ja, gezwungenermassen. Weil die Schweiz nicht in der EU ist, war ein Home-Office-Platz nicht erlaubt. Ich war bei der österreichischen Gesundheitskasse für Gesundheitsförderung zuständig und habe mit Fussballvereinen gearbeitet.
Sie hätten diesen Job also gerne behalten?
Ja. Das waren acht Stunden die Woche, die ich mir selber einteilen konnte. Für mich war wichtig, dass ich ein zweites Standbein behalte. Ich habe das Dienstverhältnis auch nicht beendet. Ich bin derzeit im unbezahlten Urlaub. Sollte es mit dem Fussball irgendwann vorbei sein, ist es zwar nicht mein Ziel, dort wieder 40 Stunden die Woche zu arbeiten, aber es gibt mir ein besseres Gefühl. Vor allem in schlechten Phasen. Weil es für mich nie um die Existenz geht – sondern nur um Fussball.
Sie waren in Linz Trainer eines Abstiegskandidaten, jetzt in Zürich. Was sind die Freuden eines Underdog-Trainers?
Ja, mich haben halt bis jetzt nur die Underdogs geholt. Also war ich bislang als Trainer wohl noch nicht so weit für andere Vereine (lacht). In Linz waren wir in der zweiten Liga allerdings Favorit, da war Druck da, da musste der Aufstieg vom Budget her klappen. Aber es stimmt, ich habe oft mit Mannschaften gearbeitet, denen man wenig zugetraut hat. Und trotzdem haben wir mit gemeinsamer Arbeit viel bewegt. Ich glaube aber, dass das auch bei Spitzenteams möglich ist.
Würden Sie denn als Trainer von Chelsea oder Bayern gleich spielen lassen wie jetzt? Oder geht es mit diesem GC-Kader einfach nicht anders?
Es kommt natürlich auf die Spielertypen an. Grundsätzlich will ich, dass einfach etwas passiert auf dem Platz und dass man gerne zuschaut. Man soll das Gefühl haben, dass das Team gemeinsam auftritt, dass intensiv Fussball gespielt wird. Und möchte so schnell als möglich vors Tor kommen. Ich bin happy mit dem Weg, den ich gewählt habe, weil es mich selber begeistert, wenn ich andere Klubs intensiv spielen sehe.
Sind Sie immer noch im Kontakt mit Oliver Glasner, der momentan mit Crystal Palace die Premier League aufmischt?
Wir kommen aus dem selben Bundesland, aus Oberösterreich. Als ich Trainer des zweiten Teams des Linzer ASK wurde, war er Trainer des ersten Teams. Wie seine Mannschaften gespielt haben, hat mich inspiriert. Ich habe sein Coaching bewundert, wie klar er war am Platz. Wir haben eine gute Verbindung, weil wir auch beide mit dem Soziologen Dr. Werner Zöchling arbeiten, bei dem es um Team- und Persönlichkeitsentwicklung geht. Das hat uns irgendwie verbunden. Wir sind auch jetzt noch im Kontakt. Es ist schön, zu sehen, dass er als eher No-Name, als Spieler ohne Länderspiele, so einen Weg als Trainer einschlagen konnte.
Müsste jeder Klub einen Amir Abrashi haben?
Ja, vom Charakter her. Von Amir selbst weiss ja jeder, dass er nur bei GC spielen will. Es ist wichtig, dass es eine Identifikationsfigur im Verein gibt. Das gibt dem Team Sicherheit, weil man weiss: Da ist ein Anker. Er gibt viel positive Energie, junge Spieler können viel von ihm abschauen.
Es wirkt, als ob eine gewisse Nähe zwischen Ihnen beiden herrschen würde.
Mich hat interessiert, ob er eher schon in Richtung einer Karriere danach denkt. Aber er sieht sich klar als Spieler und kennt seine Rolle. Ich war auch gespannt, ob er sich das im Herbst seiner Karriere noch einmal antut, unsere Intensität auf dem Platz. Aber für ihn ist das eigentlich optimal, es kommt seinem Stil entgegen. Leider ist er derzeit mit Verletzungen konfrontiert. Ich glaube, Amir hat so viel Druck gehabt in den letzten zwei Jahren. Er hat sich das alles auf seine Schulter geladen. Jetzt spürt er, dass er nicht mehr alleine ist mit dieser Last. Und in solchen Situationen nimmt sich der Körper oft selber die Zeit, sich einmal zu erholen. Aber ich bin mir sicher, dass er danach wieder durchstartet.
Unter Ihnen ist Fussball ein Nine-to-five-Job geworden. Die Spieler sind sehr lange auf dem GC-Campus.
Das war eigentlich die Idee von Sportchef Alain Sutter. Dieser ganze Tag ist vor allem für die jungen Spieler gedacht, die ja meistens am Handy hängen, wenn sie nicht beschäftigt sind. Es gibt bessere Dinge als Social Media. Wir haben einen Sportpsychologen, Ernährungsberatung, es geht um Regeneration, wir unterstützen sie mit Videoanalysen. Das heisst nicht, dass die Spieler ständig von acht bis fünf da sein müssen. Vor allem die Älteren mit Familie haben ihre freien Nachmittage. Wir wollen einfach die gemeinsame Zeit bestmöglich nutzen, um den Jungs die Möglichkeit zu geben, sich in vielen Bereichen weiterzuentwickeln.
Sie haben für GC Ihre Heimatstadt Linz verlassen. Wie schwer ist Ihnen das gefallen?
Gar nicht. Ich bin schon in Linz verwurzelt. Aber ich habe mich lange darauf vorbereitet, ins Ausland zu wechseln. In meiner Jugend hätte ich als Trainer in Camps in die USA gehen können, war aber ein wenig zu feige. Doch später wurde mein Wunsch immer grösser, und ich habe das mit meiner Familie besprochen. Ich habe gewusst: Wenn man ins Ausland geht, muss man vorbereitet sein. Ich habe zum Beispiel zwei Jahre bei Johnny Ertl Fussball-Englisch gelernt, der einige Jahre in England gespielt hat. Und als sich GC gemeldet hat, war es wirklich ein extremer Wunsch, dass es klappt.
Haben Sie eine Vorstellung, wohin Ihre Reise gehen soll?
Nein, nein, gar nicht. Mein Ziel ist, dass wir hier gemeinsam etwas erreichen. Im Fussball brauchst du dir keine Ziele zu setzen, weil es eh anders kommt. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen, dass ich es von einen Klub wie Blau-Weiss Linz ins Ausland geschafft habe. Im Ausland kennt man diese kleinen Vereine meistens nicht und deswegen steht man als Trainer nur sehr selten auf der Kandidatenliste. Ich schätze es sehr, dass Alain Sutter sich getraut hat, mich zu holen. Mir gefällt es hier, auch die Stadt ist cool.
In Medienkonferenzen wirkt Ihr Humor sehr trocken. Als Grantler gehen Sie aber noch nicht durch, oder?
Nein, ein Grantler ist einer, der schlecht aufgelegt oder eher negativ gestimmt ist. Ich bin ein sehr positiver Mensch. Das hilft, wenn man bei Underdogs arbeitet. Aber ich falle nicht jedem um den Hals, bei mir kommt die Freude erst ein paar Stunden oder Tage nach einem Spiel. Und ich nehme das Geschäft und mich selber auch nicht zu wichtig. Ich arbeite sehr gerne mit meinem Team. Aber ich brauche den Job nicht, damit ich im Fernsehen bin oder in der Zeitung stehe.
Also sind Sie nach dem Derby-Sieg nicht durch Zürich spaziert, um sich auf die Schulter klopfen zu lassen?
Doch, das bin ich schon, aber nicht um mir auf die Schulter klopfen zu lassen. Ich bin sogar zum ersten Mal sehr spät unterwegs gewesen. Weil ich wusste, wie wichtig das Derby ist. Ich habe mich sehr mit dem Thema beschäftigt, weil ich glaube, dass man ein Derby nur gewinnen kann, wenn man die nötige Energie dafür aufbringt. Das musst du dann als Trainer vorleben.
Was war der Unterschied zum Linzer Derby?
Ich habe mitbekommen, dass es in Zürich schon viel Gewalt gegeben hat zwischen den Fans. Was ich schade finde. Ich finde, man sollte als Fan ein Stadt-Derby extrem wertschätzen. In Linz hat es das lange nicht gegeben – und die Fans haben sich gefreut, als es das wieder gab. Da war es echt immer ein Fussballfest, egal, wer gewonnen hat. Rivalität, das passt für mich. Aber wenn es Richtung Gewalt und Angst geht – das finde ich schade. Ich hoffe, dass man in Zukunft auch in Zürich Fan-Märsche sieht und man mit einem GC-Leibchen durch die Stadt gehen kann, ohne Angst zu haben, angepöbelt zu werden.
Aber Ihr Abend nach dem Derby in der Stadt war gut?
Der war gut. Der war auch lange. Ich finde, man muss auch mal feiern, man muss Freude haben. Wenn ein Sieg nur noch eine Erleichterung ist, ist der Job zur Belastung geworden. Wir haben den Tag nach dem Sieg frei gegeben. Mir hat gefallen, dass die Spieler danach gemeinsam gefeiert haben. Ich habe sie noch zufällig getroffen. Das sind dann Erinnerungen, die bleiben: dieses Gefühl, diese Energie. Von diesem Derbysieg werden die Spieler noch lange erzählen.
https://www.blick.ch/sport/fussball/sup ... 35863.html
«Ich bin hier im unbezahlten Urlaub»
Der Österreicher erzählt, wie seine Nacht nach dem Derbysieg über den FC Zürich war, warum er in Österreich noch eine Anstellung hat – und weswegen die Arbeitstage für GC-Spieler länger geworden sind.
Gerald Scheiblehner, haben Sie den Schock schon überwunden
Gerald Scheiblehner: Welchen? Es gab mehrere.
Ich hätte jetzt mit dem Preisschock im Restaurant angefangen. Sie haben zum Trainingsauftakt gesagt, Sie würden nur noch Käse und Brot im Hotelzimmer essen.
Ach! Ja, dieser Schock ist überwunden. Inzwischen liegt sogar ein Stück Wurst im Kühlschrank (lacht). Schliesslich habe ich jetzt eine eigene Wohnung.
Welche anderen Schocks haben Sie denn noch so erlebt seit Ihrem Wechsel zu den Grasshoppers?
Kein direkter Schock, aber es war sehr, sehr wenig Zeit, in so ein neues Team eine Struktur zu bringen. Das war schon heftig. Wir haben dann viele Trainingseinheiten absolviert, was für mich eigentlich unüblich ist. Aber wenn ich nicht zwei Einheiten am Tag eingeplant hätte, hätte ich all die neuen Menschen nicht schnell genug kennengelernt.
Wo stehen Sie denn mit Ihrer Mannschaft im Moment? Ihre Handschrift ist sichtbar, aber noch scheint nicht alles zu passen.
Das wird Gott sei Dank noch ein wenig dauern. Sonst wäre die Arbeit ja schon zu Ende. Aber gegen den FC Zürich hat man schon über fast das gesamte Spiel das Bild gesehen, das wir uns vorstellen. Ich habe spasseshalber gesagt, dass es jetzt nicht mehr so schwierig ist, gute Szenen für die Videoanalyse zu finden. Da haben wir zu Beginn wirklich suchen müssen.
Ein Sieg hilft sicher auch, damit die Spieler weiterhin all die Kilometer abspulen, die Ihr intensives Spiel verlangt.
Wenn du so viel Aufwand betreibst, musst du dich auch belohnen. Sonst kann es in die andere Richtung gehen. Du brauchst überzeugte Leute. Und um Überzeugung zu schaffen, brauchst du Siege. Ich selbst habe mir keine Sorgen gemacht, weil ich weiss, dass unser Spiel schlussendlich erfolgreich sein wird. Die Frage ist nur: Wie viel Geduld hat die Mannschaft, und wie viel Geduld hat der Verein? Das Derby war darum der perfekte Zeitpunkt für unseren bereits zweiten Sieg! Eigentlich hat uns das ja niemand zugetraut, dass wir so schnell für ein grosses Spiel vor so einer Kulisse bereit sein werden.
Ihnen eilt aus Österreich aber der Ruf voraus, dass Sie einem Team extrem schnell Ihre Idee vermitteln können.
Mir macht es einfach Spass, mit einem Team zu arbeiten. Da gehören ja nicht nur die Spieler dazu, sondern auch das Trainerteam und der Staff mit Physios und so weiter. Das heisst: Es geht um Führungsarbeit. Dieses Thema war für mich schon immer spannend. Du musst dich ständig selbst reflektieren, es tun sich so viele verschiedene Themen auf. Aber am Ende geht es immer darum, dass man wertschätzend miteinander umgeht und dass klar ist, wer Chef ist.
Sie waren als Trainer lange im Amateurbereich tätig. Hilft Ihnen heute eine Erfahrung, die Sie dort gemacht haben?
Seit ich Profitrainer bin, geniesse ich es einfach. Ich darf mich jetzt den ganzen Tag mit Fussball beschäftigen nicht bloss abends nach 40 Stunden Arbeit in der Woche. Der Wechsel zum Profitrainer kam mir vor wie Urlaub. Zu Beginn konnte ich die Profitrainer nicht verstehen, die immer von zu viel Arbeit geredet haben.
Trainer klagen doch immer, ihr Tag müsse 48 Stunden haben.
Natürlich kann man sich, übertrieben gesagt, 24 Stunden mit Fussball beschäftigen. Aber irgendwann einmal ist ein Thema auch zerredet. Es wird nicht besser, wenn man sich zehnmal über denselben Gegner Gedanken macht. Man muss schauen, dass man auch genügend Energie hat. Und Energie tanken heisst für mich, nicht immer nur über dasselbe Thema zu sprechen. Es gibt ja zum Glück noch andere Dinge, die interessant sind auf dieser Welt.
Sie haben lange in der Gesundheitsförderung gearbeitet. Stimmt es, dass Sie ihre letzten zwanzig Prozent Anstellung erst aufgegeben haben, als Sie nach Zürich kamen?
Ja, gezwungenermassen. Weil die Schweiz nicht in der EU ist, war ein Home-Office-Platz nicht erlaubt. Ich war bei der österreichischen Gesundheitskasse für Gesundheitsförderung zuständig und habe mit Fussballvereinen gearbeitet.
Sie hätten diesen Job also gerne behalten?
Ja. Das waren acht Stunden die Woche, die ich mir selber einteilen konnte. Für mich war wichtig, dass ich ein zweites Standbein behalte. Ich habe das Dienstverhältnis auch nicht beendet. Ich bin derzeit im unbezahlten Urlaub. Sollte es mit dem Fussball irgendwann vorbei sein, ist es zwar nicht mein Ziel, dort wieder 40 Stunden die Woche zu arbeiten, aber es gibt mir ein besseres Gefühl. Vor allem in schlechten Phasen. Weil es für mich nie um die Existenz geht – sondern nur um Fussball.
Sie waren in Linz Trainer eines Abstiegskandidaten, jetzt in Zürich. Was sind die Freuden eines Underdog-Trainers?
Ja, mich haben halt bis jetzt nur die Underdogs geholt. Also war ich bislang als Trainer wohl noch nicht so weit für andere Vereine (lacht). In Linz waren wir in der zweiten Liga allerdings Favorit, da war Druck da, da musste der Aufstieg vom Budget her klappen. Aber es stimmt, ich habe oft mit Mannschaften gearbeitet, denen man wenig zugetraut hat. Und trotzdem haben wir mit gemeinsamer Arbeit viel bewegt. Ich glaube aber, dass das auch bei Spitzenteams möglich ist.
Würden Sie denn als Trainer von Chelsea oder Bayern gleich spielen lassen wie jetzt? Oder geht es mit diesem GC-Kader einfach nicht anders?
Es kommt natürlich auf die Spielertypen an. Grundsätzlich will ich, dass einfach etwas passiert auf dem Platz und dass man gerne zuschaut. Man soll das Gefühl haben, dass das Team gemeinsam auftritt, dass intensiv Fussball gespielt wird. Und möchte so schnell als möglich vors Tor kommen. Ich bin happy mit dem Weg, den ich gewählt habe, weil es mich selber begeistert, wenn ich andere Klubs intensiv spielen sehe.
Sind Sie immer noch im Kontakt mit Oliver Glasner, der momentan mit Crystal Palace die Premier League aufmischt?
Wir kommen aus dem selben Bundesland, aus Oberösterreich. Als ich Trainer des zweiten Teams des Linzer ASK wurde, war er Trainer des ersten Teams. Wie seine Mannschaften gespielt haben, hat mich inspiriert. Ich habe sein Coaching bewundert, wie klar er war am Platz. Wir haben eine gute Verbindung, weil wir auch beide mit dem Soziologen Dr. Werner Zöchling arbeiten, bei dem es um Team- und Persönlichkeitsentwicklung geht. Das hat uns irgendwie verbunden. Wir sind auch jetzt noch im Kontakt. Es ist schön, zu sehen, dass er als eher No-Name, als Spieler ohne Länderspiele, so einen Weg als Trainer einschlagen konnte.
Müsste jeder Klub einen Amir Abrashi haben?
Ja, vom Charakter her. Von Amir selbst weiss ja jeder, dass er nur bei GC spielen will. Es ist wichtig, dass es eine Identifikationsfigur im Verein gibt. Das gibt dem Team Sicherheit, weil man weiss: Da ist ein Anker. Er gibt viel positive Energie, junge Spieler können viel von ihm abschauen.
Es wirkt, als ob eine gewisse Nähe zwischen Ihnen beiden herrschen würde.
Mich hat interessiert, ob er eher schon in Richtung einer Karriere danach denkt. Aber er sieht sich klar als Spieler und kennt seine Rolle. Ich war auch gespannt, ob er sich das im Herbst seiner Karriere noch einmal antut, unsere Intensität auf dem Platz. Aber für ihn ist das eigentlich optimal, es kommt seinem Stil entgegen. Leider ist er derzeit mit Verletzungen konfrontiert. Ich glaube, Amir hat so viel Druck gehabt in den letzten zwei Jahren. Er hat sich das alles auf seine Schulter geladen. Jetzt spürt er, dass er nicht mehr alleine ist mit dieser Last. Und in solchen Situationen nimmt sich der Körper oft selber die Zeit, sich einmal zu erholen. Aber ich bin mir sicher, dass er danach wieder durchstartet.
Unter Ihnen ist Fussball ein Nine-to-five-Job geworden. Die Spieler sind sehr lange auf dem GC-Campus.
Das war eigentlich die Idee von Sportchef Alain Sutter. Dieser ganze Tag ist vor allem für die jungen Spieler gedacht, die ja meistens am Handy hängen, wenn sie nicht beschäftigt sind. Es gibt bessere Dinge als Social Media. Wir haben einen Sportpsychologen, Ernährungsberatung, es geht um Regeneration, wir unterstützen sie mit Videoanalysen. Das heisst nicht, dass die Spieler ständig von acht bis fünf da sein müssen. Vor allem die Älteren mit Familie haben ihre freien Nachmittage. Wir wollen einfach die gemeinsame Zeit bestmöglich nutzen, um den Jungs die Möglichkeit zu geben, sich in vielen Bereichen weiterzuentwickeln.
Sie haben für GC Ihre Heimatstadt Linz verlassen. Wie schwer ist Ihnen das gefallen?
Gar nicht. Ich bin schon in Linz verwurzelt. Aber ich habe mich lange darauf vorbereitet, ins Ausland zu wechseln. In meiner Jugend hätte ich als Trainer in Camps in die USA gehen können, war aber ein wenig zu feige. Doch später wurde mein Wunsch immer grösser, und ich habe das mit meiner Familie besprochen. Ich habe gewusst: Wenn man ins Ausland geht, muss man vorbereitet sein. Ich habe zum Beispiel zwei Jahre bei Johnny Ertl Fussball-Englisch gelernt, der einige Jahre in England gespielt hat. Und als sich GC gemeldet hat, war es wirklich ein extremer Wunsch, dass es klappt.
Haben Sie eine Vorstellung, wohin Ihre Reise gehen soll?
Nein, nein, gar nicht. Mein Ziel ist, dass wir hier gemeinsam etwas erreichen. Im Fussball brauchst du dir keine Ziele zu setzen, weil es eh anders kommt. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen, dass ich es von einen Klub wie Blau-Weiss Linz ins Ausland geschafft habe. Im Ausland kennt man diese kleinen Vereine meistens nicht und deswegen steht man als Trainer nur sehr selten auf der Kandidatenliste. Ich schätze es sehr, dass Alain Sutter sich getraut hat, mich zu holen. Mir gefällt es hier, auch die Stadt ist cool.
In Medienkonferenzen wirkt Ihr Humor sehr trocken. Als Grantler gehen Sie aber noch nicht durch, oder?
Nein, ein Grantler ist einer, der schlecht aufgelegt oder eher negativ gestimmt ist. Ich bin ein sehr positiver Mensch. Das hilft, wenn man bei Underdogs arbeitet. Aber ich falle nicht jedem um den Hals, bei mir kommt die Freude erst ein paar Stunden oder Tage nach einem Spiel. Und ich nehme das Geschäft und mich selber auch nicht zu wichtig. Ich arbeite sehr gerne mit meinem Team. Aber ich brauche den Job nicht, damit ich im Fernsehen bin oder in der Zeitung stehe.
Also sind Sie nach dem Derby-Sieg nicht durch Zürich spaziert, um sich auf die Schulter klopfen zu lassen?
Doch, das bin ich schon, aber nicht um mir auf die Schulter klopfen zu lassen. Ich bin sogar zum ersten Mal sehr spät unterwegs gewesen. Weil ich wusste, wie wichtig das Derby ist. Ich habe mich sehr mit dem Thema beschäftigt, weil ich glaube, dass man ein Derby nur gewinnen kann, wenn man die nötige Energie dafür aufbringt. Das musst du dann als Trainer vorleben.
Was war der Unterschied zum Linzer Derby?
Ich habe mitbekommen, dass es in Zürich schon viel Gewalt gegeben hat zwischen den Fans. Was ich schade finde. Ich finde, man sollte als Fan ein Stadt-Derby extrem wertschätzen. In Linz hat es das lange nicht gegeben – und die Fans haben sich gefreut, als es das wieder gab. Da war es echt immer ein Fussballfest, egal, wer gewonnen hat. Rivalität, das passt für mich. Aber wenn es Richtung Gewalt und Angst geht – das finde ich schade. Ich hoffe, dass man in Zukunft auch in Zürich Fan-Märsche sieht und man mit einem GC-Leibchen durch die Stadt gehen kann, ohne Angst zu haben, angepöbelt zu werden.
Aber Ihr Abend nach dem Derby in der Stadt war gut?
Der war gut. Der war auch lange. Ich finde, man muss auch mal feiern, man muss Freude haben. Wenn ein Sieg nur noch eine Erleichterung ist, ist der Job zur Belastung geworden. Wir haben den Tag nach dem Sieg frei gegeben. Mir hat gefallen, dass die Spieler danach gemeinsam gefeiert haben. Ich habe sie noch zufällig getroffen. Das sind dann Erinnerungen, die bleiben: dieses Gefühl, diese Energie. Von diesem Derbysieg werden die Spieler noch lange erzählen.
https://www.blick.ch/sport/fussball/sup ... 35863.html
Magic-Kappi hat geschrieben:Auf der einen Seite stehen die Einschätzungen der Scouts von Hoffenheim, Schalke, Wolfsburg, PSG, ein paar englischen Vereinen und dem Doumbia-Fanclub. Demgegenüber tritt das vereinigte Fachwissen von ein paar Forumsspasten an.
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penaltysamba
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Re: Presse Thread
So ein gesinnter sympathischer Trainer! In „Scheibi“ we trust!
Re: Presse Thread
«Das ist keine Überraschung»: GC-Coach stellt sich dem Schweiz-Österreich-Quiz
https://www.blick.ch/sport/das-ist-kein ... are-button
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Re: Presse Thread
Eidgenössisch diplomierter Konstruktjünger
Zertifizierter Niederhase
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Re: Presse Thread
https://www.watson.ch/sport/fussball/66 ... s-hoffnung
Zürcher Klubs in der Krise – nur GC versprüht etwas Hoffnung
Noch vor wenigen Monaten wurde in Winterthur die fabelhafte Aufholjagd und der damit verbundene Klassenerhalt gefeiert. Inzwischen aber herrscht Tristesse. Wie auch beim FC Zürich, der nicht auf die krachende 0:3-Pleite im Derby gegen die Hoppers reagieren kann und in Lugano 0:1 verliert. Einzig GC sorgt für ein paar zaghafte Lichtblicke im Zürcher Fussball.
Da wächst etwas zusammen
Viel schlechter kann man nicht in eine Partie starten, als dies GC zu Hause gegen Sion macht. Die Walliser drücken, die Walliser dominieren. Doch die Walliser können keinen Profit daraus ziehen. Weder mit dem Kopfball von Lukembila, der an die Latte klatscht. Noch durch den frühen Platzverweis gegen GC-Captain Decarli (12.), der für ein Notbremse-Foul an Nivokazi sanktioniert wird.
Aber die aktuelle GC-Ausgabe hat nicht mehr viel gemein mit jener der vergangenen Saison. Die Mannschaft ist zwar noch jünger, noch unerfahrener, aber demütiger, bissiger, gieriger. Es ist eine Ansammlung von Rohdiamanten, die nicht ein Fussballerleben lang im Letzigrund spielen, sondern ihren Traum von der grossen, weiten Fussballwelt verfolgen.
Auf die Unterschiede zur letzten Saison angesprochen, sagt Stürmer Muci: «Wir haben viele junge ambitionierte Spieler mit der richtigen Mentalität im Team. Und was der Trainer von uns verlangt, ist etwas anderes als letzte Saison. Wir wollen viel Intensität ins Spiel reinbringen.»
Was der Trainer verlangt, lebt er auch vor. Gerald Scheiblehner, 48-jähriger Österreicher, bleibt auch nach dem frühen Platzverweis mutig. Obwohl sein Abwehrchef vom Platz gestellt wird, opfert er keinen seiner drei Offensivspieler, um die Defensive zu stärken. Es zahlt sich aus.
In Unterzahl ist GC plötzlich besser als Sion, auch wenn Rrudhani (19.) den Pfosten trifft. Aber die Zürcher sind galliger, emotionaler auch. Jedem Ball jagen sie bedingungslos hinterher. Ja, es macht Spass, dieser jungen, wilden Truppe zuzuschauen, auch wenn reelle Torchancen ausbleiben.
Sieben Spieler aus der Startelf sind 22 oder jünger. Das ist einerseits dem Spardruck geschuldet. Andererseits entspringt es auch der Philosophie des Klubs, die Sportchef Alain Sutter vorgibt. Und dass diese jungen Spieler ziemlich viel drauf haben, allen voran die beiden Mittelfeldspieler Zvonarek und Mantini sowie Stürmer Asp Jensen, zeugt vom Sachverstand Sutters.
Doch GC hat Mühe, die Intensität der ersten Halbzeit aufrechtzuerhalten. Als Arigoni den Sion-Stürmer Nivokazi regelwidrig stoppt, als dieser allein auf den GC-Keeper losziehen kann, entscheidet Schiedsrichter Drmic auf Penalty. Diesen versenkt Rrudhani nach einer Stunde zum 1:0-Siegtreffer
«Man hat lange nicht gesehen, dass wir ein Mann weniger waren», sagt Muci. Aber 80 Minuten Unterzahl waren dann doch zu viel. Jedenfalls war GC gegen Ende der Partie ziemlich platt. Aber trotzdem in der Lage, das Publikum so mitzureissen, wie man das bei GC-Heimspielen länger nicht mehr erlebt hat.
Zürcher Klubs in der Krise – nur GC versprüht etwas Hoffnung
Noch vor wenigen Monaten wurde in Winterthur die fabelhafte Aufholjagd und der damit verbundene Klassenerhalt gefeiert. Inzwischen aber herrscht Tristesse. Wie auch beim FC Zürich, der nicht auf die krachende 0:3-Pleite im Derby gegen die Hoppers reagieren kann und in Lugano 0:1 verliert. Einzig GC sorgt für ein paar zaghafte Lichtblicke im Zürcher Fussball.
Da wächst etwas zusammen
Viel schlechter kann man nicht in eine Partie starten, als dies GC zu Hause gegen Sion macht. Die Walliser drücken, die Walliser dominieren. Doch die Walliser können keinen Profit daraus ziehen. Weder mit dem Kopfball von Lukembila, der an die Latte klatscht. Noch durch den frühen Platzverweis gegen GC-Captain Decarli (12.), der für ein Notbremse-Foul an Nivokazi sanktioniert wird.
Aber die aktuelle GC-Ausgabe hat nicht mehr viel gemein mit jener der vergangenen Saison. Die Mannschaft ist zwar noch jünger, noch unerfahrener, aber demütiger, bissiger, gieriger. Es ist eine Ansammlung von Rohdiamanten, die nicht ein Fussballerleben lang im Letzigrund spielen, sondern ihren Traum von der grossen, weiten Fussballwelt verfolgen.
Auf die Unterschiede zur letzten Saison angesprochen, sagt Stürmer Muci: «Wir haben viele junge ambitionierte Spieler mit der richtigen Mentalität im Team. Und was der Trainer von uns verlangt, ist etwas anderes als letzte Saison. Wir wollen viel Intensität ins Spiel reinbringen.»
Was der Trainer verlangt, lebt er auch vor. Gerald Scheiblehner, 48-jähriger Österreicher, bleibt auch nach dem frühen Platzverweis mutig. Obwohl sein Abwehrchef vom Platz gestellt wird, opfert er keinen seiner drei Offensivspieler, um die Defensive zu stärken. Es zahlt sich aus.
In Unterzahl ist GC plötzlich besser als Sion, auch wenn Rrudhani (19.) den Pfosten trifft. Aber die Zürcher sind galliger, emotionaler auch. Jedem Ball jagen sie bedingungslos hinterher. Ja, es macht Spass, dieser jungen, wilden Truppe zuzuschauen, auch wenn reelle Torchancen ausbleiben.
Sieben Spieler aus der Startelf sind 22 oder jünger. Das ist einerseits dem Spardruck geschuldet. Andererseits entspringt es auch der Philosophie des Klubs, die Sportchef Alain Sutter vorgibt. Und dass diese jungen Spieler ziemlich viel drauf haben, allen voran die beiden Mittelfeldspieler Zvonarek und Mantini sowie Stürmer Asp Jensen, zeugt vom Sachverstand Sutters.
Doch GC hat Mühe, die Intensität der ersten Halbzeit aufrechtzuerhalten. Als Arigoni den Sion-Stürmer Nivokazi regelwidrig stoppt, als dieser allein auf den GC-Keeper losziehen kann, entscheidet Schiedsrichter Drmic auf Penalty. Diesen versenkt Rrudhani nach einer Stunde zum 1:0-Siegtreffer
«Man hat lange nicht gesehen, dass wir ein Mann weniger waren», sagt Muci. Aber 80 Minuten Unterzahl waren dann doch zu viel. Jedenfalls war GC gegen Ende der Partie ziemlich platt. Aber trotzdem in der Lage, das Publikum so mitzureissen, wie man das bei GC-Heimspielen länger nicht mehr erlebt hat.
- Beckford 2
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Re: Presse Thread
danke fürs Posten des Artikels. Offenbar suchen wir doch neue Investoren oder aber die Überschrift ist irreführend.
https://www.tagesanzeiger.ch/gc-grassho ... 4809864901
https://www.tagesanzeiger.ch/gc-grassho ... 4809864901
Re: Presse Thread
Aufruf des Rekordmeisters
«15 Minuten zum Flughafen, hervorragende Bahnverbindungen»: So sucht GC nach Geldgebern
Die Grasshoppers sind trotz schwerreicher Investoren aus Los Angeles auf Unterstützung angewiesen. Was hinter ihrer unkonventionellen Suche steckt.
Die Grasshoppers suchen trotz US-Eigentümerschaft weiter aktiv nach Schweizer Investoren.
In den letzten Jahren schrieb GC jeweils Verluste in zweistelliger Millionenhöhe.
Weil der Club nach wie vor auf ein Stadion wartet, gehen ihm jährlich mindestens 5 Millionen Franken verloren.
Zweitältester Fussballclub im Land. Erfolgreichster Verein in der Geschichte des Schweizer Fussballs. Und obendrauf noch: Lage im Finanzzentrum Zürichs. Einer der weltweit besten Standorte in Bezug auf Lebensqualität. 15 Minuten vom Flughafen entfernt. Hervorragende Bahn- und Strassenverbindungen nach Kontinentaleuropa.
Wenn es nach den Grasshoppers geht, sind das bloss sechs von insgesamt fünfzehn Gründen für eine Investition in den Club. Das geht aus einer E-Mail an mögliche Investoren hervor, die dieser Redaktion vorliegt.
Eine Frage stellt sich dabei schnell: Ist das das Ende des Los Angeles FC bei GC? Der Fussballclub aus Kalifornien ist seit Januar 2024 Eigentümer der Grasshoppers. Nun wird offensiv nach anderen Investoren gesucht. Um einen Fake handelt es sich beim Schreiben nicht. Um was also geht es?
Christoph Urech ist seit Juni Chief Business Officer bei GC und sitzt mit Sportchef Alain Sutter und Finanzdirektor Roland Gebhard in der Geschäftsleitung. In seiner Rolle tauchte er medial erstmals auf, als es Kritik gegen ihn gab, auch vonseiten der Anhänger des Clubs. Ihm wurde vorgeworfen, sich selbst bereichern zu wollen. Unter anderem, weil GC den TV-Produktionsauftrag für ein Testspiel gegen Bayern München an eine Firma vergab, zu der Urech Verbindungen hat.
Der Los Angeles FC bleibt Hauptaktionär
Nun bestätigt Urech auf Anfrage, dass GC auf der Suche nach weiteren Sponsoren und Investoren sei. Und er sagt gleich, dass das keinen Einfluss auf die Besitzverhältnisse habe. Der LAFC bleibt Hauptaktionär, «aber wir wollen Swissness zurückbringen und Partner, die sich beteiligen», sagt Urech. Die E-Mail mit den Gründen für eine Investition bei GC ging an Personen und Unternehmen mit Bezug zum Verein, zur Stadt Zürich und zur Schweizer Wirtschaft.
Der FC aus Los Angeles wurde 2014 gegründet, 2022 wurde er in der Major League Soccer erstmals Meister. Fast jährlich kommen grosse Namen, um an der Westküste Fussball zu spielen. Namen wie Giorgio Chiellini, Olivier Giroud oder Son Heung-min. Gealterte Stars aus dem Weltfussball, die Saläre in Millionenhöhe beziehen.
Geld sei beim LAFC grundsätzlich vorhanden, «aber nicht unendlich», sagt Urech. Die Besitzer garantieren bei GC den laufenden Betrieb und decken ein Defizit, das letztes Jahr rund 15 Millionen Franken betrug. «Es gibt Leute im Umfeld von GC, die sagen, die Eigentümer sollen 50 Millionen auf einmal investieren, damit alles erledigt ist, aber das ist nicht richtig», sagt Urech. Um GC mittelfristig wieder erfolgreich zu machen, brauche es neben einer signifikanten Einnahmensteigerung eine starke lokale Verankerung.
Darum wurde mit dem LAFC die Suche nach Partnern lanciert. «Wir sind noch in einem sehr frühen Stadium», sagt Urech, es gehe erst einmal darum, herauszufinden, wer überhaupt Interesse habe. Klar ist, dass sich die Suche nicht einfach gestaltet. «Wir rennen keine offenen Türen ein», sagt Urech. Er spüre Skepsis und Kritik, aber auch eine positive Resonanz im Umfeld des Vereins.
Sicherheit gab es bei den Grasshoppers nie
Skepsis gibt es vor allem wegen der jüngeren Vergangenheit des Clubs. Es gab in den letzten Jahren immer wieder Besitzerwechsel und damit neue Strategien. Nie kam Kontinuität in den Verein, vom Präsidenten bis zum Physiotherapeuten, vom Sportchef bis zur Mannschaft wurde alles mehrfach ausgetauscht, das Sponsoring-Fundament brach weg.
Hohe Transfereinnahmen blieben aus. Über 50 Spieler verliessen GC seit Sommer 2021 und der Rückkehr in die Super League, bloss fünf von ihnen brachten eine Ablösesumme ein. Zudem entging der Verein gleich zweimal knapp dem Abstieg. Nur eines gab es bei GC nie: Sicherheit.
Pläne für eine bessere Zukunft hatten alle, die den Verein führten. Urech ist nicht der Erste, der von einem neuen GC spricht. «GC 2.0», nennt er das, wofür er, Sportchef Sutter und CFO Gebhard da sind.
Harald Gaertner, Alain Sutter und Christoph Urech bei einer Medienkonferenz des Grasshopper Club Zürich.
Der nächste Neustart: Christoph Urech (rechts) mit Sportchef Alain Sutter (Mitte) Und Harald Gärtner, dem Europachef des LAFC, bei einer Pressekonferenz im Juni.
Foto: Claudio Thoma (Freshfocus)
Einheimische Geldgeber und Sponsoren sind ein Pfeiler, auf dem dieses GC 2.0 aufgebaut werden soll. Ein anderer ist der Transfermarkt. GC will mit jungen Fussballern Geld verdienen, es spielen so viele eigene Junioren im Team wie lange nicht mehr. Dazu kommen junge Spieler aus italienischen Nachwuchsteams, sie sind auch ein Wagnis: Aber wenn nur einer von ihnen einschlägt, könnte er dem Verein dereinst viel Geld bescheren.
Einer der grössten Faktoren ist weiterhin das geplante Stadion. Den Grasshoppers und auch dem FC Zürich gehen jährlich fünf Millionen Franken verloren, weil sie im Letzigrund spielen, der der Stadt gehört. «Im Minimum fünf Millionen», sagt Urech. Ein eigenes Stadion würde neben dem Fussball weitere Möglichkeiten bieten, mehr VIP-Plätze, ein Catering oder die Möglichkeit für Firmenanlässe.
Urech sagt darum: «Das Stadion ist fundamental, mit dem Letzigrund können wir kein Geld verdienen.» Immerhin sind die beiden Clubs einem Neubau zuletzt etwas näher gekommen. Das Verwaltungsgericht lehnte einen Rekurs gegen den Gestaltungsplan für das «Projekt Ensemble» ab, wie vor zwei Jahren schon das Baurekursgericht. Wenn es beim Baugesuch zu keinen weiteren juristischen Umwegen kommt, könnte 2028 mit dem Bau begonnen werden.
GC ist mit seinen Verlusten nicht allein
In der E-Mail an die potenziellen Geldgeber sind die «Pläne für ein hochmodernes Stadion» auch aufgelistet. Dazu der Campus in Niederhasli, die Nachwuchsabteilung, die mehr Nationalspieler herausgebracht habe als bei jedem anderen Schweizer Verein, oder die Möglichkeit von finanziellen Erträgen durch den Verkauf von Fussballern in die Top-5-Ligen Europas.
So liest sich der Werbespot für GC, einen Verein, der momentan niemandem Geld einbringt, sondern seit Jahrzehnten Verluste macht.
Immerhin ist GC damit nicht allein. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass sich im Schweizer Fussball kaum Gewinn erzielen lässt, die Young Boys und der FC Basel mit ihren Einnahmen aus dem Europacup und lukrativen Transfers ausgeschlossen. Und der FC St. Gallen dank seiner stabilen Führung und seines breiten Umfelds.
«Unsere Aufgabe ist es, den Club wieder auf nachhaltige Beine zu stellen, und hierfür brauchen wir auch lokale Expertise», sagt Urech. Nur schon eine schwarze Null wäre bei GC eine kleine Sensation.
«15 Minuten zum Flughafen, hervorragende Bahnverbindungen»: So sucht GC nach Geldgebern
Die Grasshoppers sind trotz schwerreicher Investoren aus Los Angeles auf Unterstützung angewiesen. Was hinter ihrer unkonventionellen Suche steckt.
Die Grasshoppers suchen trotz US-Eigentümerschaft weiter aktiv nach Schweizer Investoren.
In den letzten Jahren schrieb GC jeweils Verluste in zweistelliger Millionenhöhe.
Weil der Club nach wie vor auf ein Stadion wartet, gehen ihm jährlich mindestens 5 Millionen Franken verloren.
Zweitältester Fussballclub im Land. Erfolgreichster Verein in der Geschichte des Schweizer Fussballs. Und obendrauf noch: Lage im Finanzzentrum Zürichs. Einer der weltweit besten Standorte in Bezug auf Lebensqualität. 15 Minuten vom Flughafen entfernt. Hervorragende Bahn- und Strassenverbindungen nach Kontinentaleuropa.
Wenn es nach den Grasshoppers geht, sind das bloss sechs von insgesamt fünfzehn Gründen für eine Investition in den Club. Das geht aus einer E-Mail an mögliche Investoren hervor, die dieser Redaktion vorliegt.
Eine Frage stellt sich dabei schnell: Ist das das Ende des Los Angeles FC bei GC? Der Fussballclub aus Kalifornien ist seit Januar 2024 Eigentümer der Grasshoppers. Nun wird offensiv nach anderen Investoren gesucht. Um einen Fake handelt es sich beim Schreiben nicht. Um was also geht es?
Christoph Urech ist seit Juni Chief Business Officer bei GC und sitzt mit Sportchef Alain Sutter und Finanzdirektor Roland Gebhard in der Geschäftsleitung. In seiner Rolle tauchte er medial erstmals auf, als es Kritik gegen ihn gab, auch vonseiten der Anhänger des Clubs. Ihm wurde vorgeworfen, sich selbst bereichern zu wollen. Unter anderem, weil GC den TV-Produktionsauftrag für ein Testspiel gegen Bayern München an eine Firma vergab, zu der Urech Verbindungen hat.
Der Los Angeles FC bleibt Hauptaktionär
Nun bestätigt Urech auf Anfrage, dass GC auf der Suche nach weiteren Sponsoren und Investoren sei. Und er sagt gleich, dass das keinen Einfluss auf die Besitzverhältnisse habe. Der LAFC bleibt Hauptaktionär, «aber wir wollen Swissness zurückbringen und Partner, die sich beteiligen», sagt Urech. Die E-Mail mit den Gründen für eine Investition bei GC ging an Personen und Unternehmen mit Bezug zum Verein, zur Stadt Zürich und zur Schweizer Wirtschaft.
Der FC aus Los Angeles wurde 2014 gegründet, 2022 wurde er in der Major League Soccer erstmals Meister. Fast jährlich kommen grosse Namen, um an der Westküste Fussball zu spielen. Namen wie Giorgio Chiellini, Olivier Giroud oder Son Heung-min. Gealterte Stars aus dem Weltfussball, die Saläre in Millionenhöhe beziehen.
Geld sei beim LAFC grundsätzlich vorhanden, «aber nicht unendlich», sagt Urech. Die Besitzer garantieren bei GC den laufenden Betrieb und decken ein Defizit, das letztes Jahr rund 15 Millionen Franken betrug. «Es gibt Leute im Umfeld von GC, die sagen, die Eigentümer sollen 50 Millionen auf einmal investieren, damit alles erledigt ist, aber das ist nicht richtig», sagt Urech. Um GC mittelfristig wieder erfolgreich zu machen, brauche es neben einer signifikanten Einnahmensteigerung eine starke lokale Verankerung.
Darum wurde mit dem LAFC die Suche nach Partnern lanciert. «Wir sind noch in einem sehr frühen Stadium», sagt Urech, es gehe erst einmal darum, herauszufinden, wer überhaupt Interesse habe. Klar ist, dass sich die Suche nicht einfach gestaltet. «Wir rennen keine offenen Türen ein», sagt Urech. Er spüre Skepsis und Kritik, aber auch eine positive Resonanz im Umfeld des Vereins.
Sicherheit gab es bei den Grasshoppers nie
Skepsis gibt es vor allem wegen der jüngeren Vergangenheit des Clubs. Es gab in den letzten Jahren immer wieder Besitzerwechsel und damit neue Strategien. Nie kam Kontinuität in den Verein, vom Präsidenten bis zum Physiotherapeuten, vom Sportchef bis zur Mannschaft wurde alles mehrfach ausgetauscht, das Sponsoring-Fundament brach weg.
Hohe Transfereinnahmen blieben aus. Über 50 Spieler verliessen GC seit Sommer 2021 und der Rückkehr in die Super League, bloss fünf von ihnen brachten eine Ablösesumme ein. Zudem entging der Verein gleich zweimal knapp dem Abstieg. Nur eines gab es bei GC nie: Sicherheit.
Pläne für eine bessere Zukunft hatten alle, die den Verein führten. Urech ist nicht der Erste, der von einem neuen GC spricht. «GC 2.0», nennt er das, wofür er, Sportchef Sutter und CFO Gebhard da sind.
Harald Gaertner, Alain Sutter und Christoph Urech bei einer Medienkonferenz des Grasshopper Club Zürich.
Der nächste Neustart: Christoph Urech (rechts) mit Sportchef Alain Sutter (Mitte) Und Harald Gärtner, dem Europachef des LAFC, bei einer Pressekonferenz im Juni.
Foto: Claudio Thoma (Freshfocus)
Einheimische Geldgeber und Sponsoren sind ein Pfeiler, auf dem dieses GC 2.0 aufgebaut werden soll. Ein anderer ist der Transfermarkt. GC will mit jungen Fussballern Geld verdienen, es spielen so viele eigene Junioren im Team wie lange nicht mehr. Dazu kommen junge Spieler aus italienischen Nachwuchsteams, sie sind auch ein Wagnis: Aber wenn nur einer von ihnen einschlägt, könnte er dem Verein dereinst viel Geld bescheren.
Einer der grössten Faktoren ist weiterhin das geplante Stadion. Den Grasshoppers und auch dem FC Zürich gehen jährlich fünf Millionen Franken verloren, weil sie im Letzigrund spielen, der der Stadt gehört. «Im Minimum fünf Millionen», sagt Urech. Ein eigenes Stadion würde neben dem Fussball weitere Möglichkeiten bieten, mehr VIP-Plätze, ein Catering oder die Möglichkeit für Firmenanlässe.
Urech sagt darum: «Das Stadion ist fundamental, mit dem Letzigrund können wir kein Geld verdienen.» Immerhin sind die beiden Clubs einem Neubau zuletzt etwas näher gekommen. Das Verwaltungsgericht lehnte einen Rekurs gegen den Gestaltungsplan für das «Projekt Ensemble» ab, wie vor zwei Jahren schon das Baurekursgericht. Wenn es beim Baugesuch zu keinen weiteren juristischen Umwegen kommt, könnte 2028 mit dem Bau begonnen werden.
GC ist mit seinen Verlusten nicht allein
In der E-Mail an die potenziellen Geldgeber sind die «Pläne für ein hochmodernes Stadion» auch aufgelistet. Dazu der Campus in Niederhasli, die Nachwuchsabteilung, die mehr Nationalspieler herausgebracht habe als bei jedem anderen Schweizer Verein, oder die Möglichkeit von finanziellen Erträgen durch den Verkauf von Fussballern in die Top-5-Ligen Europas.
So liest sich der Werbespot für GC, einen Verein, der momentan niemandem Geld einbringt, sondern seit Jahrzehnten Verluste macht.
Immerhin ist GC damit nicht allein. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass sich im Schweizer Fussball kaum Gewinn erzielen lässt, die Young Boys und der FC Basel mit ihren Einnahmen aus dem Europacup und lukrativen Transfers ausgeschlossen. Und der FC St. Gallen dank seiner stabilen Führung und seines breiten Umfelds.
«Unsere Aufgabe ist es, den Club wieder auf nachhaltige Beine zu stellen, und hierfür brauchen wir auch lokale Expertise», sagt Urech. Nur schon eine schwarze Null wäre bei GC eine kleine Sensation.